Internationale Standards

Steuerinformationsabkommen

Liechtenstein will sein Profil als professionelles Zentrum für international ausgerichtete, innovative und nachhaltige Bankgeschäfte stärken. Das setzt auf regulatorischer Seite voraus, dass die Standortattraktivität gewahrt und stabile Rahmenbedingungen sichergestellt bleiben. Liechtenstein kann sich vor allem auf seine traditionellen Werte wie die gesamtwirtschaftliche und politische Stabilität, das hohe Ausbildungsniveau und die über Jahre gewachsene Positionierung im Private Banking verlassen.

Im Kerngeschäft, dem grenzüberschreitenden Private Banking, ist der Bankenplatz von den verschärften internationalen Auflagen betroffen. Politik und Marktteilnehmer handeln entsprechend, um Unsicherheiten zu verringern. Mit der «Liechtenstein-Erklärung» vom 12. März 2009 bekennt sich das Land zum globalen OECD-Standard in der Amtshilfe bei Steuerdelikten.

Mit zwei Dutzend Ländern hat Liechtenstein bis Ende 2011 Steuerinformationsaustausch-Abkommen (TIEA) oder Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zur grenzüberschreitenden Amtshilfe nach den Regeln der OECD abgeschlossen. Darunter fällt auch ein im November 2011 unterzeichnetes DBA mit der Bundesrepublik Deutschland. Damit besteht gegenseitige Rechts-, Planungs- und Investitionssicherheit. Bereits 2009 hatten Liechtenstein und Grossbritannien ein Steuerabkommen vereinbart, das bis Anfang 2015 ein befristetes Offenlegungsprogramm für UK-Steuerpflichtige regelt. Das Bankgeheimnis bleibt auch nach der Übernahme der OECD-Standards bestehen.

Um den stetigen Veränderungen in der Steuergesetzgebung der Zielmärkte zu begegnen, hat die Liechtensteinische Landesbank im Oktober 2011 ein «Kompetenzzentrum Steuern» geschaffen. Interne Informationsplattformen liefern den Mitarbeitenden wichtige Angaben zu den Steuersystemen der LLB-Kernmärkte.

Cross Border Banking

Finanzinstitute sind gefordert, umfassende Massnahmen zu treffen, um die Einhaltung des ausländischen Rechts zu gewährleisten. Dazu gehört, Rechts- und Reputationsrisiken zu erfassen, zu begrenzen und zu überwachen. Vor diesem Hintergrund erliessen die Banken der LLB-Gruppe – LLB Vaduz, LLB Schweiz, LLB Österreich und Bank Linth LLB AG – länderspezifische Verhaltensanweisungen für die Mitarbeitenden. An den Standorten Vaduz, Zürich, Wien, Dubai, Lugano und Genf fanden Schulungen zum Cross Border Banking statt.

Die Liechtensteiner und Schweizer Banken räumen der Umsetzung und Einhaltung der Vorgaben zum Cross Border Banking vorrangiges Interesse ein. Dies gilt ebenso für die Aufsichtsbehörden FINMA (Schweiz) und FMA (Liechtenstein), die Prüfungen durchgeführt und angekündigt haben. Die Vorgaben tragen dazu bei, dass die LLB-Gruppe die Qualität ihrer Dienstleistungen und Aktivitäten weiter steigert. Zudem schaffen wir mehr Rechtssicherheit für Kunden, Bank und Mitarbeitende.

Grosser Mehraufwand durch FATCA

Das US-Gesetz Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) verpflichtet Finanzinstitute weltweit vertraglich, ihre US-Kunden zu identifizieren und deren Vermögen und Erträge der Bundessteuerbehörde der Vereinigten Staaten (Internal Revenue Service, IRS) offenzulegen. Die Informationen gehen über die geltenden Bestimmungen des Qualified Intermediary Regime (QI) hinaus. Das US-Finanzministerium und die US-Steuerbehörde haben die Einführung des Gesetzes auf 1. Januar 2014 verschoben: Für Sommer 2012 ist die Veröffentlichung der endgültigen FATCA-Richtlinie sowie der FATCA-Verträge vorgesehen. Am 1. Januar 2013 führt der IRS ein elektronisches Antragsverfahren für den Status Foreign Financial Institution (FFI) ein. Anträge, die bis zum 30. Juni 2013 eingehen, erhalten per 1. Juli 2013 einen Status als Participating FFI (PFFI).

FATCA stellt Finanzinstitute mit US-Kunden vor einen grossen administrativen Aufwand. Die LLB-Gruppe plant, mit der US-Steuerbehörde einen FATCA-Vertrag abzuschliessen. Mit diesem verpflichtet sie sich, die in der Gruppe geführten Konten von US-Personen und US-beherrschten ausländischen Rechtsträgern automatisch zu melden. Institute, die nicht kooperieren, müssen eine Quellensteuer in Höhe von 30 Prozent auf alle Zahlungen aus US-Quellen (Withholding Payments) leisten.

Herausforderung Abgeltungssteuerabkommen

Im Herbst 2011 haben die Schweiz und die Bundesrepublik Deutschland sowie die Schweiz und Grossbritannien neue Steuerabkommen unterzeichnet. Ziel ist, die Abkommen am 1. Januar 2013 in Kraft zu setzen. Zur Nachbesteuerung bestehender Bankbeziehungen sollen Kunden die Möglichkeit haben, anonym eine pauschal bemessene Steuer zu entrichten oder ihre Konten offenzulegen. Künftige Kapitalerträge und -gewinne sollen über eine Abgeltungssteuer erfasst werden, eine Quellensteuer, nach deren Bezahlung die Steuerpflicht gegenüber dem Wohnsitzland erfüllt ist. Kunden können ihre Vermögen regularisieren und die Banken ihre Treuepflicht gegenüber langjährigen Kunden wahren.

Liechtenstein beabsichtigt, mit Deutschland ein dem mit der Schweiz gleichwertiges Abkommen auszuhandeln, das zum selben Zeitpunkt in Kraft tritt, damit zwischen den beiden Finanzplätzen kein Regelungsgefälle entsteht.

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