Markt International

Der Finanzplatz Liechtenstein ist sich seiner Verantwortung als Teil eines weltweit integrierten Wirtschaftsraumes bewusst. Seit 2008 hat Liechtenstein zwei Dutzend OECD-konforme Steuerinformationsaustausch-Abkommen sowie Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) – darunter mit der Bundesrepublik Deutschland – abgeschlossen. Im Herbst 2011 hat die Peer Group des Global Forum der OECD die erste Phase ihres Review-Prozesses beendet. Sie stellte Liechtenstein ein gutes Zeugnis aus. Im Bereich Banken hat sie alle Prüfpunkte mit «fully compliant», das heisst als OECD-konform bewertet. Damit wird Liechtenstein international als moderner, stabiler und nachhaltiger Finanzplatz anerkannt und nicht mehr als Offshore-Finanzplatz gesehen. Ende 2012 soll die Umsetzung der OECD-Standards in der Praxis geprüft werden.

2011 hat sich der Bankenplatz Liechtenstein gut behauptet. Zwar wirkten sich die Turbulenzen an den Börsen negativ auf die Performance der Investments aus, gleichzeitig aber hielten die Banken im Durchschnitt freiwillig mehr als das Doppelte der erforderlichen Eigenmittel. Das Geschäftsmodell des Private Banking erwies sich als stabil, die Banken verzeichneten weitere Neugeld-Zuflüsse. Im Markt International der LLB-Gruppe waren folgende Trends zu beobachten: Vermögen aus den Emerging Markets werden zunehmen und an Bedeutung gewinnen, Vermögen aus den bisherigen Kernmärkten hingegen werden in Zukunft zurückgehen.

Der Druck seitens der Europäischen Union und der USA auf die Finanzplätze Schweiz und Liechtenstein bleibt bestehen. Die Schweiz hat mit Deutschland und Grossbritannien Abkommen über die Abgeltungssteuer unterzeichnet. Die Regulierung und Harmonisierung der Finanzmärkte setzt sich fort. Neben Anpassungen an neue Rahmenbedingungen scheinen zusätzliche strukturelle Änderungen unvermeidbar. Der Konsolidierungsdruck wird steigen, sodass im Finanzsektor verschiedene Formen der Zusammenarbeit zu erwarten sind.

Aufgrund des starken Schweizer Frankens sind internationale Vermögensverwalter sowohl in der Schweiz als auch in Liechtenstein in eine sich öffnende Kosten-Ertragsschere geraten. Die Einnahmen fallen zum Grossteil in Euro oder US-Dollar an, die Kosten aber in Franken. Wegen des tiefen Zinsniveaus sanken die Erträge aus dem Zinsengeschäft, überdies verhielten sich die verunsicherten Kunden passiv.

Die Aktienmärkte blieben 2011 unberechenbar, sie schlossen bei hoher Volatilität unter dem Wert von 2010. Festverzinsliche Anlagen boten insbesondere auch deshalb kaum eine Alternative, weil die Unsicherheiten der Märkte auf Staatsanleihen übergriffen. Viele Kunden hielten entweder einen grossen Anteil an Liquidität, führten Gelder in eigene Unternehmen zurück oder investierten in traditionelle Sachwerte wie Immobilien oder Gold. 2011 ging es in erster Linie um den Erhalt und die Sicherung von Vermögen.

Entwicklung Kundenvermögen

2007 – 2011, in Millionen CHF 

Entwicklung Kundenvermögen (Balkendiagramm)
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