Markt Institutionelle

2011 stand der liechtensteinische Fondsplatz unter hohem Konkurrenzdruck. Der Wettbewerb unter den europäischen Fondsstandorten verstärkte sich spürbar. Neue Fonds wurden angesichts volatiler Aktienmärkte sowie der Euro-Krise und tiefer Zinsen zurückhaltend lanciert. Zudem kamen nur wenige Innovationen auf den Markt. Bei diesen handelte es sich hauptsächlich um Strukturen von Family Offices, wie beispielsweise für Private Equity oder Immobilien.

Intermediäre wie Endkunden zeigten sich 2011 äusserst preissensitiv und erwarteten ein den Marktbedingungen entsprechendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Anbieter reagierten mit wachsend aggressiver Preisreduzierung, um die wenigen zufliessenden Neugelder zu sichern.

Als einer der drei grössten Fondsanbieter in Liechtenstein stehen wir in Zukunft vor neuen Herausforderungen: Liechtenstein hat am 1. August 2011 mit dem Gesetz für bestimmte Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren die EU-Richtlinie UCITS IV übernommen, um Marktchancen in der EU zu eröffnen und dem Fondsstandort Liechtenstein zusätzliche Attraktivität zu verleihen. Bis Juli 2013 soll zudem die AIFM-Richtlinie (Alternative Investment Fund Managers) in nationales Recht umgesetzt werden. Die neuen EU-Richtlinien werden den Konkurrenzdruck im europäischen Fondsmarkt weiter erhöhen.

Das UCITS-IV-Gesetz dürfte Liechtenstein in Zukunft besonders für Fondspromotoren mit international ausgerichteten Fondsstrukturen noch interessanter machen. So ermöglicht der EU-Pass einer Kapitalanlagegesellschaft, in einem anderen EU-Land domizilierte UCITS – Fonds, die der EU-Investmentdirektive entsprechen – aufzulegen, ohne dort eine Tochtergesellschaft oder Niederlassung zu gründen oder zu unterhalten. Das sogenannte «Key Investor Information Document» (KIID), das die wesentlichen Informationen für den Anleger beinhaltet, löst den bisherigen vereinfachten Verkaufsprospekt ab. Das KIID ist europaweit standardisiert und erlaubt es Investoren, verschiedene Fonds rasch zu vergleichen.

Das liechtensteinische UCITS-Gesetz sieht neu auch grenzüberschreitende Master-Feeder-Strukturen unter dem UCITS Label vor. Die Schaffung eines Feeder UCITS setzt voraus, dass dieser mindestens 85 Prozent seines Vermögens in Anteile eines anderen UCITS oder eines Teilvermögens eines anderen Master UCITS anlegt. Ausserdem bestehen neu klare Rahmenbedingungen für die Verschmelzung von Fonds, und die «time to market» im grenzüberschreitenden Vertrieb wird durch ein effizienteres Zulassungsverfahren wesentlich verkürzt. Die Anzeige zur Erstzulassung von Fonds erfolgt direkt zwischen den Aufsichtsbehörden.

Die AIFM-Richtlinie der EU trat am 21. Juli 2011 in Kraft, sie ist eine direkte Folge der Finanzkrise. Mit ihr unterstellt die EU alle Verwalter alternativer Investmentfonds (AIFM) einer Aufsicht. Bis 21. Juli 2013 müssen die europäischen Mitgliedstaaten die Vorschriften in nationales Recht überführen. Managern mit Sitz in der EU steht damit ab 2013 der EU-Pass zur Verfügung, der das EU-weite Management und den Vertrieb von Non-UCITS ermöglicht. Davon sind neben Hedge Funds und Private Equity Funds auch Immobilien- und Rohstofffonds sowie alle offenen und geschlossenen Kollektivanlagen betroffen. Die Richtlinie gilt ebenfalls für Manager von Non-UCITS, die ihren Sitz in einem Drittstaat wie etwa der Schweiz haben, und von dort einen Non-UCITS in der EU vertreiben möchten.

Entwicklung Fondsvolumen

2007 – 2011, in Millionen CHF 

Entwicklung Fondsvolumen (Balkendiagramm)
Entwicklung Depotbankmandate

2007 – 2011, Anzahl

Entwicklung Depotbankmandate (Balkendiagramm)
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